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Editorial
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Long Time no hear
Rückzug aus der Szene
Man hat mich lange nicht mehr in der Szene gesehen. Das ist keine böse Absicht. Ich werde alt, ich finde mich abgeklärt, ich werde nicht mehr in erster Linie von Begierden getrieben (außer vielleicht der, Stromberg zu gucken), und wenn ich mit meinem Sub spiele, dann aus der Lust an der Macht und seiner Anmut.
Begierde macht unfrei. Sie kommt dem Sub zu. Er ist getrieben und darum manipulierbar. Ich nehme ihn in meine Hände und manipuliere ihn im Rahmen unserer Abmachungen und ganz zart darüber hinaus. Dabei bin ich herzlich, aber cool. Ich muss nichts erreichen. Und genau darum habe ich alle Zeit der Welt fürs Hinhalten. Suspension. Warten lassen.
Selber nicht involviert zu sein ist Macht. Wer in der Begierde ist, klebt mit der Nase an der Fensterscheibe. Ich erinnere mich gut an diese Art der Unfreiheit. Ich weiß noch ganz genau, zu was für närrischen und mich selbst erniedrigenden Taten ich fähig war, als mich das Verlangen anstiftete. Mit dreißig war ich auf dem Höhepunkt, und das war der Tiefpunkt meiner Menschenwürde. Der Grund: Ich kannte nicht wirklich die Gründe, die Strömung, die in mir und aus mir heraus nach Verwirklichung schrie, ich wusste nicht, wohin ich gehöre. Und darum zielte mein Verlangen auf ungeeignete Objekte, die verwirrt flüchteten. Was der Sache so recht die Dynamik verlieh.
Darauf schaue ich mit einer Mischung aus Tadel und Nachsicht für mich selber zurück. Das ist etwa 30 Jahre her. Aber damit war es ja nicht vorbei; als junger Mensch glaubt man immer, es würde mit 40 vorbei sein, mit 50 sei es degoutant, Sex zu haben, und mit 60 sowieso und ginge gar nicht mehr.
Doch. Ich fühle noch. Lust ist da; aber sie kann langsam konsumiert werden wie ein Bonbon, das man lutscht und nicht zerkracht, weil man den Genuss länger ausdehnen will.
Sex ist nicht gleich Sex. Ich bin diskreter und mengenmäßig bescheidener geworden; zugleich stieg der Anspruch an Qualität. Selbstverständlich doch, wenn der Appetit abnimmt.
Die rituelle Dominanz über das mir so vertraute und liebe Objekt, das Wartenlassen, die Freude an der jugendlichen Kraft, die der nicht verliert, der nur selten zum Schuss kommt -- das sind heute meine Genüsse. Und vor allem: nicht mehr gepeinigt, getrieben und somit machtlos, sondern souverän, spöttisch und frei von Abhängigkeiten (be)handeln zu können.

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Sekt-Frühstück die Dritte
Eine Entgegnung auf eine Entgegnung
Oh-oh, da habe ich ja in ein Wespennest gestochen. Und schon bin ich der Inbegriff des SM-Establishments, selbsternannte Szene-Polizei oder so.
Liebe Eva. Ich hoffe, Du hast, ehe Du über mich hergefallen bist, auch den Ursprungsartikel noch mal gelesen. Hier Nayeli O-Ton:
"Warum aber soll sich jemand sein Sexualleben davon ruinieren lassen sich immer auf die gleiche Rolle festzulegen? Wer würde sich freiwillig so etwas antun?
Gegen solche eingeschränkten Leute sollte man Vorurteile haben. Ich zum Beispiel misstraue grundsätzlich jedem, der von sich selbst behauptet, immer ausgeglichen zu sein und niemals aus seinem Leben ausbrechen zu wollen. So etwas kann gar nicht stimmen. Ja, ganz genau, ich misstraue allen, die zu faul oder zu feige oder was-auch-immer sind, um sich aus einer einmal gefundenen Rolle zu lösen."
Das lass Dir mal auf der Zunge zergehen. Und dann gleich noch mal das, was ich darauf entgegnet habe und was Du in der neuesten Ausgabe darüber geschrieben hast.
Ich zitiere noch einmal aus meiner Entgegnung:
"Das mißratenste Spiel, das wir jemals hatten, das einen schalen Geschmack zurückließ, war der einzige Versuch zu switchen, den wir je unternommen haben."
Wir fallen also unter Nayelis Kategorie Was-auch-immer. Und dieses Was-auch-immer habe ich in meinem Artikel versucht zu beschreiben.
Ich sage es noch einmal: Wer sich im echten Leben hinreichend hat demütigen lassen, der braucht das im Sex nicht mehr, sondern erfährt das einfach als Kränkung.
Toleranz? Herrgott, Toleranz... Wer wüßte besser, was für eine Bedeutung die hat als die, die sie in jungen Jahren bitter vermißt haben! Wäre ich denn in der SM-Szene aktiv geworden, wenn ich dogmatisch und spießig wäre?
Eva, wir wollen eigentlich genau das gleiche. Jeder soll dürfen, wie er mag.
Dein Leserbrief war völlig überflüssig.
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Das Session Kochbuch ist da!
Das SM-Handbuch Spezial 2 ist ab sofort erhältlich. Lilith of Dandelion hat die Ehre, mit zwei Aufsätzen dabei zu sein.
Das Herausgeber-Paar Andrea und Matthias T.J. Grimme hat ein Team von Autoren ausgewählt, deren Namen überwiegend aus den SCHLAGZEILEN wohlbekannt sind, und ebenso umfassend sind die Themen, die jeden erdenklichen und relevanten Bereich des BDSM abdecken. Besonders und neu ist in dieser Publikation, daß praktische Anleitungen, Vorschläge und Beispiele nicht nur Appetit machen sollen und können, sondern daß die Umsetzung mitgedacht und erwünscht ist. Während die Sicherheitshandbücher uns an unsere Verantwortung erinnert haben, soll uns dieses Buch Lust machen und damit die Trennung in Pflicht und Kür aufbrechen. Sicherheit -- ja, klar. Aber sie soll uns nicht den Spaß verderben. Über Rollenspiele und rollenlose Spiele haben die Autoren nachgedacht, über Demut, Strafen, Fesseln, Switchen. Ich bin sicher, daß sich jeder Leser in mindestens einem oder mehreren Kapiteln wiederfinden kann.
Über Pet-Play habe ich mir Gedanken gemacht, und meinen als Tiger bemalten Gespielen kann man als Illustration dazu bewundern. Ich habe kurz angerissen, was aus meinen und meines Subs Erfahrungen auf dem Gebiet des Pet-Play wert ist, den Lesern mitgeteilt zu werden. Natürlich kann es auf engem Raum keine Enzyklopädie der Abrichtung werden. Eher habe ich mich darauf konzentriert, welche Herangehensweise sinnvoll ist, um beiden den vollen Genuß des Sich-Berauschens an der animalischen Seite des Menschen zu verschaffen. Wegen bereits vorangegangener Mißverständnisse betone ich, daß es sich um Menschen in Tierrollen handelt.
Mein zweiter Aufsatz behandelt meditatives Spiel. Nach vielen Jahren Meditationserfahrung stellte ich fest, daß sich diese beiden Bereiche zwar persönlich verträglich gestalten lassen, daß aber der meditative Geisteszustand nicht wirklich kompatibel ist mit der aufgeregten, gespannten Erwartung am Anfang einer Session. Wie man aber mit dem Geist im Rahmen von BDSM umgehen kann, das habe ich mit einer unerwarteten gedanklichen Wendung vom Kopf auf die Füße gestellt.
Viele Autoren haben hier ihre Gedanken zusammengetragen: Eine große Vielfalt der Anregungen und Rezepte ist zusammengekommen. Wer dieses Buch in seinem Nachtkästlein hat, verfügt sowohl über eine anregende Lektüre als auch über mehr Vorschläge zur Bereicherung seines Spiels, als man auch in längeren Zeiträumen ausprobieren könnte.
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Und hier geht es zum Charon Verlag und dem Session Kochbuch
Ein Promotion-Video auf YouTube
Wer sich umfassend und authentisch über PetPlay informieren möchte, kann das bei Pets and Owners tun.
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Lesung am 7. Juni 09
Am Sonntag Nachmittag um 17 Uhr vor dem Jungen Chill-Out lese ich in der UnschlagBar (Nobistor) aus meinen Büchern.
Nachdem ich den Termin im vergangenen Dezember absagen mußte, soll es nun also passieren. Mein bekannteres Buch ist der Ratgeber "Wie man eine Herrin findet", jedoch wird bei dieser Lesung der Schwerpunkt auf Geschichten liegen, die in dem Erzählungsband "Shivas Schützlinge" und in den SCHLAGZEILEN bzw. "Bösen Geschichten" erschienen sind, also auf Belletristik. Die Lesung wird pünktlich anfangen, weil eine weitere Veranstaltung folgt, mit der es sich nicht überschneiden soll.
Die Autorin bittet darum, das Rauchen auf den Außenbereich zu beschränken.
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Die Szene ist ganz anders
Am letzten Märzwochenende 2009 war ich mit meinem Sub und Lebenspartner auf unserer Lieblingsparty. Ausführliches dazu findet ihr hier.
An dieser Stelle möchte ich eigentlich ein paar andere Gedanken äußern.
Wer mit einer vom Cyberspace geprägten Vorstellung auf dieser Party hätte Mäuschen spielen dürfen, der hätte sich sehr gewundert, wie wenig einige der Gäste dem Klischee entsprachen. Ja, es waren auch junge Menschen dort, gut aussehende mit einer Statur, die jedes Outfit gelingen ließe. Es waren aber auch alte Leute dort, solche wie ich, dazu noch korpulente, auch welche mit kahlem Kopf (was einem Sklaven wohl ansteht). Sie alle hatten Spaß und zeigten keine Spuren von Minderwertigkeitsgefühl. Dabei ist eben diese Gesellschaft zum Teil das, was man so BDSM-Urgestein nennen könnte. Aber auch neu hinzugekommene. Was uns eint, das ist in diesem Fall die Freude an weiblicher Dominanz und männlicher Unterwerfung, also eine FemDom-Party nach dem Vorbild des OWK.
Das ist nicht jedermanns Sache, aber dies ist die von allen begrüßte Spielregel. Zweite Besonderheit an dieser Party war die Tatsache, daß die Gastgeberin nur ihr persönlich Bekannte einlädt -- oder Gäste, die ihr von Bekannten empfohlen werden. Ein wenig konspirativ, recht intim und garantiert ohne Gaffer und Störenfriede. Hier gelten weiter Regeln, die allen männlichen Gästen auferlegen, daß sie in jedem Moment, den die Party dauert, in Unterwerfung verharren und sich entsprechend verhalten sollen. Kein Anquatschen der Damen von sich aus, sondern einen Abend lang in Demut und Gehorsam zu verweilen ist das Prinzip.
Ich war einmal im Catonium. Und mir passierte dort etwas, was mir in der SM-Szene seit meiner ersten Party, der Domination im September 1996, nicht passiert ist: Ich fing Blicke, die sagten: "Was will die denn hier?"
Die unangenehme Machismo-Welt der Pseudodoms (echte dominante Männer gucken nämlich nicht so, die gucken allenfalls gar nicht, sind aber meistens Gentlemen) ist also in die Szene eingedrungen.
Das ist kein Ort für mich.
Als Domse brauche ich den Raum des guten Ur-BDSM, in dem jeder sein Recht hat, dort zu sein, solange er sich benimmt, und in dem jeder sich selber definiert. Wer einmal gesehen hat, wie fast schwebend anmutig eine 3-Zentner-Frau die Peitsche schwingen kann, der wird die Maßstäbe der "normalen" Welt vergessen.
Ich bin nicht normal, und das ist gut so.

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