C2. B.D.Winter

Zwei Versionen: B.D.Winter/Lilith Dandelion

Eine kleine Herausforderung zum Zweck, meine eigene Sprache zu überprüfen. Nicht sicher, ob das eine reizvolle Aufgabe sein könnte, hatte ich in Facebook dazu aufgerufen, eine Szene eurer Wahl in die eigene Sprache umzusetzen. Hier folgt die Szene noch einmal in meiner eigenen Sprache -- rechts -- und die Variante von meiner hochgeschätzten FB-Freundin B.D.Winter. Sie wechselte die Perspektive in die Ich-Form, um den Blickwinkel direkter und stärker beteiligt zu gestalten. Zugleich hat sie das Stichwort "Bulldoge" aufgegriffen und die Figur des Kommissars noch plastischer herausgearbeitet.
Sie ist die Autorin des Action-Krimis mit einem männlichen Liebespaar "Tanz der Ikonen"

Das Verhör

Lelo in der Hand der Polizei


Immerhin durfte Salix das Verhör beaufsichtigen, Befehl vom Dogen. Auf Video wurde es auch aufgenommen, das sah ich dann später – mit ausgesprochen gemischten Gefühlen. Natürlich war Tarfur beides nicht recht, aber wenn Seine Exzellenz etwas anordnete, war es ziemlich egal, ob das dieser Bulldogge von einem Cro in den Kram passte oder nicht. Niemanden scherte es, ob er der Großkommissar war, ob er sich mit seiner gedrungenen Statur aufbaute, die säbelförmigen Beine förmlich in den Boden gerammt, und seinen Protest kläffte.

Sie ließen die Bulldogge knurren und begannen mit meiner Befragung. Alles ergab ein wunderbares Bild: Stalking, Geiselnahme – noch dazu im Dogenpalast – und Erpressung. Mein Fluchtversuch passte da wunderbar dazu. Wie bei einer Zwiebel schälten sie Schicht um Schicht die Geschichten von mir herunter, bis das übrig blieb, was sie für den wahren Kern hielten. Ein Attentat sollte ich also planen, und nach Stunden der Befragung war ich selbst schon knapp davor, es zu glauben. Zeitgleich durchsuchten sie offenbar alle Wohnungen, in denen ich mich aufgehalten hatte, zumindest alle, von denen sie wussten. Nach und nach präsentierten sie mir die Dinge, die ich in Kartons weggepackt hatte.

Auch das japanische Kurzschwert.

Die kurze Klinge war wunderschön, leicht gekrümmt, mit einem eingravierten Drachen. Scharf wie ein Rasiermesser, und Flecken, die nichts Gutes für mich bedeuteten. Eingetrocknetes Homsarec-Blut machte sich großartig auf einer Schneide, mit der man entweder Harakiri beging, oder seinen Gegnern den Kopf abtrennte. Ich hatte ganz sicher niemandes Birne abgeschlagen, der Homsarec, zu dem das Blut gehörte, war quicklebendig. Und klarerweise passte es auch nicht zum Opfer, das auf dem Bankett das Zeitliche gesegnet hatte.

Einen Mord konnten sie mir damit nicht anhängen, aber zu meinen angeblichen Attentatsplänen passte es wie die Faust aufs Auge. Da halfen meine Beteuerungen wenig. Irgendwer musste es mir untergeschoben haben, in einer WG hat schließlich jeder Zugang zu allem. Schnell war mein geplanter Anschlag auf den Dogen konstruiert, und die kriminalpolizeiliche Bulldogge prügelte aus mir heraus, was sie hören wollte. Tarfur war für alles taub, was seine Theorie widerlegte: Dass ich wieder mal nicht nachgedacht hatte, bevor ich etwas unternahm, dass ich nur weg wollte, dass mich die Isolation auf Torquato fertigmachte und mir die arroganten Mädels auf den Geist gingen, die mich mit ihrer Schmutzwäsche ebenso eindeckten wie mit ihren täglichen Nörgeleien über meine mangelnden Kochkünste.

Mit Genuss schlug er mir das alles um die Ohren, Satz für Satz. Mein angeblich so lächerliches Gewäsch, sowieso nur erstunken und erlogen. Wie harmlos ich täte, aber dass keiner darauf hereinfiele. Ausgekocht und kaltblütig sollte ich sein, ein Verbrecher, geradezu besessen von meiner kriminellen Leidenschaft. Nie und nimmer wäre ich verrückt, das könne Kunkamanito ganz schnell abhaken. Nichts, aber auch gar nichts würde meine Schuldfähigkeit mindern.

Salix versuchte, ihn zu bremsen. »Sie unterstellen ihm, er hätte den Dogen umbringen wollen? Haben Sie je erlebt, dass ein Homsarec einen anderen getötet hat?«, fauchte sie, und dieses Fauchen klang wie Musik in meinen Ohren.

»Weiß man’s?«, kläffte Tarfur zurück. Dass eine Frau ihm in die Parade fuhr, ging gar nicht. »Es gibt für alles ein erstes Mal. Und jetzt halt dich raus, Weib. Siehst du nicht, dass wir ihn fast soweit haben?«

»Blöder Macho!«, murmelte sie halblaut und verzog sich auf ihren Stuhl in der Ecke des Raumes. Soviel zur Aufsicht.

Bestimmt schon aschfahl hockte ich da, vollkommen verkrampft, und hielt mich kaum mehr aufrecht. Tarfur beugte sich über mich. »Dich krieg ich klein!«, schrie er, »Und wenn wir weitermachen, bis du tot umkippst. Noch mal und von mir aus so oft du willst: Was wolltest du von dem Dogen? Willst du uns weismachen, du bist in ihn verknallt wie ein Teenie in einen Rockstar?«

Er hätte mich gar nicht anbrüllen müssen, seine Worte gaben mir so schon den Rest. Tränen strömten über mein Gesicht, ich zitterte, und es verschlug mir den Atem. Ich hielt die Luft an, so lange, dass Salix schon nervös wurde. Dann aber hielt ich es nicht mehr aus, und bevor ich erstickte, sog ich doch die Luft ein. Laut und mit klappernden Zähnen. Ein Cro wäre an meiner Stelle schon bewusstlos gewesen.
Nun hatte Salix genug. »Schluss jetzt!«, rief sie und klingelte nach der Wache.

Gute Erynnie, böser Cop

Wenigstens durfte Salix das Verhör beaufsichtigen, Weisung des Dogen. Auch wurde es auf Video aufgenommen, ich sah es später.

Dem Großkommissar Tarfur, einem Cro von bulldoggenhafter Statur, schien das nicht in den Kram zu passen, aber einer Weisung Seiner Exzellenz gab es nichts entgegenzusetzen.

Nun ging also die Befragung los, und es schien alles zusammenzupassen: Stalking, Geiselnahme — noch dazu im Dogenpalast —, Erpressung, Fluchtversuch. Jetzt wurde klar, dass sie Lelo der Planung eines Attentats verdächtigten. Mehrere Stunden am Stück zwiebelten sie ihn. Zugleich wurden andere Wohnungen durchsucht, in denen er sich aufgehalten hatte. In einem Zimmer wurden in Kartons verpackte Dinge aus seinem Besitz gefunden, unter anderem ein japanisches Kurzschwert, an dem sich alte Spuren von Homsarec-Blut fanden. Fatalerweise entstammten sie aber einem lebenden Körper! Wiederum passten sie nicht zu dem Opfer des Banketts. Keine Frage, das hatte schon einmal einem Angriff gedient, aber wenn er es noch hatte — sollte dieses für einen Anschlag auf den Dogen benutzt werden? Vieles wies auf aggressive Absichten — oder konnte so zusammengereimt werden. Auch Lelo hatte keine Erklärung für dieses Stück, es sei ihm untergeschoben worden, wiederholte er verzweifelt. In einer Wohngemeinschaft ist doch alles allen zugänglich!

Tarfur, Großkommisar der Kriminalpolizei, wohl der schärfste Hund der Sukenter Wachorgane, kochte ihn weich.

Lelo stritt ab, versuchte, die Beschuldigung zu widerlegen, er hätte einfach nur unüberlegt gehandelt, er hätte nur weg wollen, die Isolation auf Torquato, die arroganten Mädchen, denen er die Wäsche waschen und deren Kritik an seiner Kochkunst er sich jeden Tag anhören musste…

Satz um Satz schlug ihm Tarfur um die Ohren. Lächerliches Gewäsch, erstunken und erlogen, dieses harmlose Getue, dabei sei er ein ganz ausgekochter und kaltblütiger Verbrecher mit klar bewusster krimineller Obsession. Von wegen verrückt, Kunkamanito soll das schnell vergessen. Da ist nichts, was seine Schuldfähigkeit mindert.

Salix versuchte, ihn zu bremsen. „Sie unterstellen ihm, er hätte den Dogen umbringen wollen? Haben Sie je erlebt, dass ein Homsarec einen anderen getötet hat?“ fauchte sie.

Tarfur schien es zu hassen, wenn ihm eine Frau in die Parade fuhr. „Weiß man’s?“ gab er zurück, „es gibt für alles ein erstes Mal. Und jetzt halt dich raus, Weib. Siehst du nicht, dass wir ihn fast soweit haben?“ Salix zog sich mit einem halblaut gemurmelten „blöder Macho!“ zurück auf den Stuhl in der Ecke des Raumes und beobachtete weiter.

Tarfur beugte sich über Lelo, der schon aschfahl und verkrampft dasaß und sich kaum aufrecht hielt, und schrie ihn an: „Dich krieg ich klein! Und wenn wir weitermachen, bis du tot umkippst. Das würde ich billigend in Kauf nehmen. Noch mal und so oft du willst: Was wolltest du von dem Dogen? Willst du uns erzählen, du bist in ihn verknallt wie ein Teenie in einen Rockstar?“

Da brach Lelo zusammen, käsig blass, die Tränen liefen über sein Gesicht, und er atmete so lange nicht, dass Salix schon anfing, Befürchtungen zu hegen, dann aber sog er laut und mit den Zähnen klappernd die Luft ein. Ein Cro wäre schon bewusstlos gewesen.

Nun hatte Salix genug. „Schluss jetzt!“ rief sie und klingelte nach der Wache.