Homsarecs-Leseproben
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Rechtschreibung

Kalligraphische Anleitung

Italien, ca. 1500

Sagten wir denn je "Eeeßlöffel"?

Seit der unseligen Reform versuchen uns ungebildete Lümmel weiszumachen, dass das ß ein den Vokal längendes Zeichen ist. Was für ein Unsinn. Das ß ist ein Wortschluss-Anzeiger, der die Funktion hatte, das lange S, das sich für den Schluss eines Wortes nicht eignet, mit einem optisch ansprechenden Zeichen "aufzufangen". Wie das Schriftblatt aus dem frühen 16.Jh. zeigt, ist das lange S für sich allein eine traurige Gestalt, eignet sich aber als Rückgrat für viele schöne Ligaturen. Hier und da fand man sogar das Wort "maßimo" und "serenißima", was nichts mit der Länge des Vokals zu tun hat, sondern ausschließlich mit der optischen Wirkung des langen S.
Dieses existiert also in unseren Schriften nur noch in der Verbindung mit dem runden S.
Leider stellt man sich hoffnungslos aus der Zeit, wenn man an diese Tradition anzuknüpfen versucht. Von Millionen Unwissender gefördert, von Behörden in den Schulen erzwungen, hat dieser Paradigmenwechsel stattgefunden und vor allem in der Versalschreibung einen nicht wieder gutzumachenden Schaden angerichtet. Ich heule mit den Wölfen, aber ich heule.