Der Doge holt sein serf zurück

Lelo/Isegrim wird zwischen seinem Herrn dem Dogen und seinem "wilden" Herrn Perkele hin- und hergerissen. Er kneift dem Dogen aus und verbringt mal wieder eine Nacht bei Perkele, als dieser in Sukent zu Gast ist. Als wüsste er nicht, was passiert ist, überfällt der Doge seinen Staatsgast mit Champagner und belegten Brötchen -- morgens um 6 Uhr.

Nach einer Nacht im falschen Bett

Perkele

Anführer der Rebellen

„Der Ehrenwerte Anführer wird sicher Verständnis dafür haben“, sagt Seine Exzellenz und erhebt sich, „wenn wir wieder an unsere Regierungsgeschäfte gehen müssen.“ Und mit der größten Selbstverständlichkeit faßt er mich am Arm, so ein wenig hinter seiner Robe versteckt, aber so hart, daß ich sicher sein kann, Abdrücke aller seiner Finger für ein paar Tage im weichen Fleisch meines Arms wiederzufinden. Und so führt er mich hinaus, kaum, daß ich Zeit habe, meinen lieben Perkele mit einer Verbeugung zu grüßen.
Tanguta versprüht — wie seit seinem Eintreten — seinen bezauberndsten Charme in der Runde, und verschwindet mit mir, kneift mich bis aufs Blut und zerrt mich den Korridor entlang, während die drei anderen Serfs mit schlecht verhohlener Schadenfreude hinter mir hermarschieren, den klappernden und rüttelnden Servierwagen vor sich herschiebend.
Wir gehen den ganzen Weg hinüber zum Dogenpalast in Begleitung der grinsenden Serfs und des ratternden Bewirtungsmöbels. Es ist ein Spießrutenlauf. Tanguta läßt mich nicht los, obwohl es mir nicht in den Sinn käme abzuhauen.

Die schwere geschnitzte Tür schließt sich hinter uns. Die Amazonen, es sind Phlox und Spex, haben mir hinter dem Rücken Seiner Exzellenz Grimassen geschnitten.
Er läßt mich los. Schubst mich, so daß ich auf dem Teppich auf die Knie gehe, setzt sich in den Lehnstuhl und schaut mich an. Ich wage nicht, den Blick zu heben. Auch als er meinen Namen sagt — „Isegrim!“ —, antworte ich „ja, Herr“, aber ich kann ihn nicht ansehen.
Er schweigt, ich warte.
Schließlich lasse ich einen verstohlen kleinen Blick zu ihm hinflattern, da sehe ich: Er lächelt breit. Aber doch ein wenig böse.
„Deine Herrin will dich sehen“, sagt er.

Wir sind dann zum Ghetto hinübergegangen, es ist nicht weit. Er hat mir die Hände auf den Rücken gefesselt. Wie gut das tut! Als er damit fertig ist, hebt er mein Kinn, um mir in die Augen zu schauen. Ich weiß nicht, was er tun wird, und diese Unsicherheit macht mir Angst und kickt mich auch. Es ist genau so wahrscheinlich, daß er mich küßt, wie eine schallende Ohrfeige.
Und dann kommt beides. Er drückt mir fast brutal die Lippen auseinander und küßt mich fest und schmerzhaft, beißt mich dabei etwas in die Lippe, ich blute. Er hält mein Kinn fest und knallt mir eine rechts und eine links. Mit Wechsel der haltenden Hand. Ich sehe, wie seine braunen Augen mich böse fixieren.
„Ich werde dich vor eine Wahl stellen“, sagt er dann.
„Was für eine Wahl?“
„Du wirst es erfahren, wenn wir drüben sind, in unserer Wohnung“, sagt er.
Er läßt Khorasan rufen, der packt ein Portfolio für des Dogen Heimbüro und wandelt mit einer Amazone hinter uns her. Seine Exzellenz überläßt es Spex, mich am Seil zu führen. Sie trägt heute eine weiße Leinenuniform mit passendem Harness und vergoldeten Beschlägen. Sie wickelt sich das Seil mehrmals um die Hand, als bestünde konkrete Fluchtgefahr.
Auf dem Weg zum Ghetto sterbe ich fünf, acht oder zwölfmal.
Touristen bestaunen uns, erkennen den Dogen und bleiben wie angewurzelt stehen und starren. Einwohner erkennen den Dogen und lassen ihn im Kniefall vorbeiwallen, den Kopf gesenkt. Serfs werfen sich ganz zu Boden und berühren die steinernen Wegplatten mit der Stirn.

 

Tanguta

Doge von Sukent

Durch ein niedriges Subportal, das gleich an ein betrepptes Brückchen anschließt, winden wir uns in leicht gebeugtem Gang ins Ghetto. Hinter dem Subportal öffnet sich ein weiter Platz. Wir überqueren ihn und erreichen einen verglasten Eingang, vor dem weitere zwei Wachen stehen. Spex überreicht das Seil der einen Wache, es ist Dario, und grüßt, setzt die Maske mit dem Sonnenschutz auf, wendet und begibt sich zurück zur Dienststelle.
Das Haus ist ein modernisiertes antikes Stadthaus. Den Innenhof umgibt ein verglaster Gang, der in die Zimmer führt.
Unten sind Büroräume und Gästezimmer sowie die Küche. Tanguta führt mich mit leichten Schubsern die Treppe hinauf und bringt mich in das großzügige Wohnzimmer, das mit Kelim-Kissen ausgestattet ist. Hier begrüßt ihn Vanessa, während ich versuche, mich mit auf den Rücken gefesselten Händen wieder aufzurichten, nachdem mein Herr mich in die Kissen geschubst hat, so daß ich bäuchlings in den Polstern gelandet bin. Sie küssen sich ausgiebig.
Inzwischen habe ich mich soweit mit reiner Beinarbeit hochgezappelt, daß ich auf dem Teppich zwischen den Kissen knie. Wie neugierig ich auch bin, sie zu sehen, versuche ich doch, meinen Blick zu senken, um mir nicht schon wieder welche einzufangen.
Und schon schubst er mich wieder in die Kissen. Und hat diese fiese kurze Gerte aus dem Köcher an der Wand gezogen drischt auf mich los. Ich jammere, er verbietet es, ich stopfe mir selber mit dem Zipfel des Kissens den Mund. Ich muß auch die Hände weit hochziehen, damit es die nicht erwischt. Unschöne Haue. Dann läßt er mich liegen. Indessen bemühe ich mich, meine Gedanken zu analysieren. Ich müßte unglücklich sein, von Perkele und seiner Familie weggeschleppt worden zu sein. Ja, es war eine wunderschöne Nacht, viel schöner als alles, was ich bisher mit ihm erlebt habe. Er hat die Schublade „zärtlicher Liebhaber“ aufgemacht und mich mal zur Abwechslung auf dieser Klaviatur bespielt. Ja, mein Guter, das kann nicht nur dein feiner Herr Exzellenz. Das kann ich auch.
Und im Gegenzug kriege ich jetzt den ärgerlichen und darum ruppigen Dom von meinem Herrn Tanguta vorgesetzt?
Ei verflucht, ja, es kickt mich.

 

Vanessa

Gemahlin des Dogen

Vanessa wendet sich mir zu.
„Das ist verwildert“, sagt sie. „Das ist ein Wolfsjunges aus den ostslowakischen Urwäldern. Man muß es in die Zivilisation zurückbringen. Schauen Sie sich mal diese klettigen, verfilzten Haare an, mein Gemahl. Wir sollten ihm diese Dreadlocks abschneiden. Am besten wäre es, ihn kahl zu scheren. Kennen Sie den Film 'Der Wolfsjunge' von Truffaut? Der beruht auf einer wahren Begebenheit. Denken Sie, daß man unser kleines Wildes wieder an die Zivilisation gewöhnen wird?“
Sie ließ meine Dreadlocks durch ihre Finger gleiten. Noch immer wagte ich nicht, meinen Blick zu heben.
Kúsali trat ein und stellte dem Dogen auf seinen Wink den Lehnstuhl passend hin, und der Herr setzte sich. Und einen zweiten Lehnstuhl ließ er neben sich stellen, mit einem Kissen bedecken, und Vanessa ließ sich darauf nieder.
„Kúsali, bleib!“ befahl er dem Diener, der sich entfernen wollte.
Kúsali nahm hinter den Sesseln Aufstellung.
„Nimm ihm das Seil ab.“
Er machte meine Hände frei. Meine Schultergelenke knackten.
Khorasan kam mit einer Klemmtafel herein.
„Ich habe den Anführer der Bémishen Brieder im Kampf besiegt“, begann Tanguta, „und die Verfügung über das Serf Lelo van Loben von den Wölfen, das einen Monat lang von Perkele gestohlen und illegal genutzt worden ist, war Teil der Siegerprämie. Perkele hat diese Bedingungen anerkannt und nachträglich unterzeichnet. Somit ist das Serf wieder in meinen Besitz übergegangen. Dieser Diebstahl ist durch die vorzügliche Ausbildung, die das Serf durch Perkele von den Nachtschwalben erhalten hat, mehr als abgegolten. Die Ausbildung wird durch eine großzügige Schenkung honoriert.“
Khorasan reichte die Tafel, und der Doge setzte eine Unterschrift darauf.
„Nun die Wahl: Rückkehr in die mährischen Wälder ist solange keine Option, wie die Bestrafung, die vom Gericht verhängt worden ist, nicht abgegolten ist. Du hast die Möglichkeit, als mein Serf in meinem Haus zu dienen oder zu den gleichen Bedingungen nach Torquato zurückzukehren. Wie entscheidest du dich?“
„Herr, das muß sorgfältig bedacht werden“, murmelte ich mit weiterhin gesenktem Kopf, aber vor meinem inneren Augen zogen Fluchtoptionen vorbei; dann hob ich meinen Blick und versuchte geknickt und unterwürfig auszusehen, „ich… weiß nicht…“
Vanessa und Tanguta tauschten Blicke.
Sie sagte ihm etwas ins Ohr.
„Sie meint, du würdest mich verarschen“, sprach mein Herr, „stimmt das?“
Ich nickte.
„Verdient es Strafe, werte Gemahlin?“
„Nein, mein Gemahl.“
„Wir lassen es nur den Tee trinken.“ (Neutertee, der ihm den Sextrieb nimmt)
„Ja, das wird ihm guttun.“
Sie grinsten.
Oh, ihr Schweine!
„Das habe sogar ich gehört“, grollte meine Herrin.
„Und es muß in Quarantäne“, fuhr er fort, „zumal unkontrollierter Umgang mit anderen die Forschung Kunkamanitos stört.“
„Ja, das müssen wir unterbinden.“
„Es hat sich jede Nacht von den Kannibalen ficken lassen.“
„Das geht gar nicht.“
„Jetzt werden andere Saiten aufgezogen.“
„Sex gibt es erst, wenn wir die Untersuchungsergebnisse haben.“
„Wenn überhaupt.“
„Ja, wenn überhaupt.“
„Schauen Sie mal, Madame, es ist beringt“, und er zieht mir mit einem raschen Griff das Lendentuch aus dem Gürtel.
Sie hat so etwas noch nie gesehen, das ist klar.
Sie wirkt direkt ein bißchen schockiert.
„Ist das ganz verheilt? Kann ich das anfassen?“
„Ja, Mad…“
„Du doch nicht, Klappe! Madame, Sie können es anfassen, wie Sie mögen.“
Sie untersuchte meinen Ring.
„Das ist ein Prinz Albert, benannt nach dem Gemahl von Queen Victoria.“
„Ein hervorragendes Hilfsmittel, um seinen Sex zu regieren, nehme ich an…“
„Das können wir so einrichten. Schauen Sie, während sich die verformbaren Weichteile aus allen möglichen Keuschheitsgürteln rausschleichen, ist dieser Ring gnadenlos. Ohne Hilfsmittel kann es ihn nicht öffnen. Man kann es an einen Hodenring koppeln“, Tanguta demonstrierte eine solche Fesselung. Mir sank das Herz ins Lendentuch. Ganz klar, wenn ich diesen Zwangsmitteln unterlag, würde ich jede Nacht heulen vor unbefriedigter Gier.