Raufbolde

Leseprobe 1: Scharmützel mit den Faschos

Petja

Heute war Petja mit beim Training. Ich dachte erst, er hat es doch gar nicht nötig, er ist fitter als wir alle zusammen. Aber das ist nicht der Punkt, sondern Selknam hat ihn in einen von seinen Kursen für höfliche Selbstverteidigung befohlen, wo wir nichtverletzende Abwehr erlernen. Petja vertritt da eher die rustikale Linie. Er soll lernen, ausschließlich defensiv zu handeln, das findet er langweilig.
Er hat schon blutige Schlachten gegen die Cro-Banden geschlagen, die seine Sippe aus den Dörfern vertreiben wollten. „Schwule klatschen“, hieß ihr Programm. Die Unseren haben ihre Verfolger in die Wälder gelockt, dorthin, wo welche von uns schon auf den Bäumen saßen, haben die Cro mit Pfeilen kampfunfähig gemacht, ihre Waffen im Fluß versenkt, die Burschen windelweich gehauen und an die Straße geschleppt und mit dem Handy des Anführers die Ambulanz geholt. Hinterher stand in der Zeitung, daß eine Gruppe von neun übel verprügelten Mitgliedern einer illegalen Bürgerwehr ohnmächtig am Straßenrand gelegen hätten, und einer von ihnen, der seine Finger nicht mehr bewegen konnte, hätte die Nummer des Krankenhauses gewählt.
Zugleich sei eine Gruppe von Homsarecs im Hotel aufgetaucht, mit Bögen, Pfeilen und Streitäxten aus Stein bewaffnet, mehrere von ihnen hatten Schußverletzungen, und es sei unerklärlich gewesen, wie die Jungs bei Bewußtsein sein konnten. Sie seien sehr nervös und erregt gewesen, hätten bei jeder Gelegenheit die Zähne gefletscht und geknurrt und erzählten, daß die Braunen aus der Ukraine sie überfallen hätten.
Die Homsarecs seien ins Krankenhaus gebracht worden, begleitet von ihren unverletzten Kameraden. Die hätten sich zunächst geweigert, ihre Waffen wegzulegen. Um keinen Ärger zu machen, taten sie es dann doch. Die Verletzten wurden sogleich operiert, wobei die Narkose nicht anschlug, was die Jungs aber stoisch ertrugen. Allenfalls knurrten sie mal. Sie wurden auf Station gelegt, und die unverletzten Begleiter mußten gehen, schliefen aber auf dem Rasen in Krankenhauspark, wie sich später zeigte. Ihre Lendentücher zogen sie aus dem Gürtel und hüllten sich darin zum Schlafen ein.
Als die Nachtschwester später nach den Verletzten sah, hatten die ihre Verbände abgenommen und leckten einander die Wunden. Die Schwester schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Wäre der Heilerfolg nicht so rasch eingetreten, wie man es hier noch nicht gesehen hatte, sie hätte noch einmal eine große Desinfektionsrunde angestoßen. Aber alles sah so gut aus wie drei Tage geheilt.
„Ich weiß ja nicht, was der Vatikan sagen würde, aber für mich war es ein Wunder“, beendete sie ihren Bericht.

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