Die Nachwehen der Flower Power

Die Autorin

mit Mitte Zwanzig

War ich schön? Ich hatte keine Ahnung. Noch nie hatte mir jemand gesagt, daß ich es sei. Ich war nicht in der Lage, das zu sehen. Das ist wie bei den Magersüchtigen, die sich selber dick finden. Sie sehen sich wirklich so. Ich fand mich unattraktiv.
Dabei bin ich vernarrt in die Schönheit anderer, vor allem von Männern. Und das ist -- wenn auch ohne Begehren -- auch heute noch so.

Körpermodifikationen

Als ich den Roman schrieb, in der Mitte der Siebzigerjahre, waren Körpermodifikationen, wie sie heute gang und gäbe sind, noch extreme, exotische, seltene Ausnahmen. Seeleute mochten tätowiert sein, das gab es wahrscheinlich eher in St. Pauli als in Kitzbühel zu sehen. Ohrringe trug man streng paarweise; als meine Schwägerin 1976 entdeckte, daß ich in einem meiner Ohren zwei Ringe trug, fiel ihr die Gabel aus der Hand. Was zu jener Zeit mutig war, ist heute in der Zeit der wildesten Piercings und Tattoos äußerst maßvoll. Aber so soll es bleiben. Diese Dinge haben bei den Homsarecs eine andere, eine soziale Funktion, keine individuelle. Wie bei den pazifischen und ozeanischen Völkern sind die Tätowierungen Kennzeichen einer Stammeszugehörigkeit und weisen eine Einheitlichkeit des Stils auf. Wandelnde Musterbücher werden bespöttelt.

 

Kulturelle Einflüsse

Sparks

Auftritt 1972, veröffentlicht in Wikipedia, offenbar von den Mael-Brüdern selbst hochgeladen

Bei uns hörte man Jazz, Blues, Gershwin, "Zigeuner"-Musik, südamerikanische Rhythmen und russische Chöre. Als Teenager tauchte ich mit Versessenheit in die Welt von Jefferson Airplane, Jimi Hendrix, Grateful Dead, Doors, Pink Floyd (außer "The Wall", welches ich hasse), später von Brian Eno, Captain Beefheart und Devo. Ich hielt mich bevorzugt in der Gesellschaft von Schwulen auf und erfuhr sehr bald vom AIDS-Schock. Das schockierte mich zusätzlich deshalb, weil ich den rätselhaften frühen Tod meiner überwiegend schwulen Helden bereits zehn Jahre vorher ausfabuliert hatte. Auch die Ohrringe und Tattoos waren, als ich sie den Homsarecs andichtete, noch weit davon entfernt, einmal Mainstream zu werden, wie es in den Achtzigern geschah. Die rotzig-arrogante Art, dazu die geistige Eleganz der "Sparks", ähnlich, wie sich viele Rockstars darstellten, entsprach sehr meiner Vorstellung von Karatai und seinen Rowdy-Freunden.