Political Correctness

Wenn vom Bösen die Rede ist

Karatai

Vorweg: Die Regeln in der Gesellschaft der Homsarecs sind keineswegs Regeln einer idealen Gesellschaft. Und da einiges im Argen liegt, was der Held auch recht genau sieht, arbeitet er auf einen Wandel hin. Eine sexuelle Beziehung mit Abhängigen darf es nach unseren Gesetzen nicht geben, und das ist auch gut so.
Wie ist in der Belletristik mit dem Bösen umzugehen? Dürfen die Schandtaten beschrieben werden oder nicht, und wenn ja, welche? Drama lebt vom Bösen, sonst wäre das Regal für Kriminal-Literatur in den Bücherläden nicht größer als ein Handschuhfach. Was macht das Böse zum Vorbild? Ist eine Literatur deshalb schadlos lesbar, weil sie frei ist von sexueller Gewalt, auch wenn die Helden zunehmend im Blut waten, wie es seit einigen Jahren Trend ist?

 

Libertinage zuende gedacht

Die Verbrechen in diesem Roman haben teilweise mit sexualisierter Gewalt zu tun. Daß sie verführerisch daherkommt, macht sie nicht besser. Vielleicht werden Leser mir übelnehmen, daß ich mich in belletristischer Form mit einem absoluten Tabuthema beschäftige. Wie sieht es in der Seele des Mißbrauchers aus? Wie kommt er zu diesem Fehltritt, wie erfährt er sich selber, was sind seine "Ausreden"? Anders gesagt, wie verkauft er sich selber das Wissen seiner großen Schuld?
Ich beschreibe eine Gesellschaft, die aus der absoluten Libertinage aufbricht, um sich zu wandeln. Wie dieser Wandel aussieht und was ihn verursacht, kann nicht verraten werden.

Verstehen statt aufknüpfen

Karatai in "Joy de Guerre",

dem Rausch der Krieger

Mißbrauch entsteht nicht aus abgrundtiefem Verbrechertum. Er entsteht aus einem Versagen der moralischen Kontrolle, aus einer Korruption des Verstandes durch die Sexualität. Die Gründe des Mißbrauchers sind eine Mischung aus Lust an der Macht, Fürsorglichkeit und unkontrollierter eigener Libido. Wenn nur die Kontrolle durch den Verstand und moralische Grundsätze nicht versagt hätte, wäre alles andere konfliktlos geblieben.
Sexualhormone haben eine berauschende Wirkung auf das Gehirn. Sie verändern das Denken. Der Berauschte ist sich dessen noch nicht einmal bewußt. Er findet eher Gründe, um so zu handeln, wie er es tut. Die moralische Pflicht, korrekt zu handeln, ist aber dadurch nicht ausgesetzt, und die Forderung, sich selbst zu kontrollieren, bleibt bestehen.
Das bedeutet: Die Gesellschaft muß in einer neuen Weise die Kontrolle übernehmen, um zu sichern, daß Sexualität in einer Weise ausgeübt werden kann, die keinen Schaden anrichtet. Die Form der Kontrolle hat sich geändert. Überflüssig ist sie dennoch nicht.