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Homsarecs!

Homsarecs! Teil 2 Die Luxus-Ausgabe Galerie Spoiler-Alarm!
Schauplätze
Ursprünge: Nach der Flower Power Political Correctness BDSM oder Fantasy? Symbole Mehr Symbole Warum Kannibalen? Ursprung des NuRiCA Alte Schreibung? Begriffe

Ursprung des NuRiCA

Das Chöd-Ritual

ist ein symbolisches Selbstopfer, in dem der Yogi sich in eine Gottheit verwandelt, die den Wesen den Körper als Nahrung schenkt

Ergänzendes Material zum Opfern des eigenen Körpers, wie es die Amazonen einführen

VON DER GABENSPENDUNG DES KÖNIGS JAMPAI-TOB




Solches habe ich zu einer Zeit gehört: Der Siegreich-Vollendete hatte seinen Sitz im Lustgarten des Prinzen Dschal Tsched, im Hofraum allgemeiner Freude des Gom med said shin.
Zu der Zeit saß Kungawo, nachdem er die milde Speisenspendung eingesammelt hatte, einst im Innern eines Wäldchens in Meditation und hatte folgende Überlegung: „Die Erscheinung des siegreich-vollendeten Buddha in der Welt ist von den wundervollsten Ereignissen begleitet: vielen Wesen hat sie den Eingang in die höchste Glückseligkeit eröffnet; sie hat den fünf Gelongen, Gaundinja und seinen Gefährten, infolge der ursprünglichen Ansammlung ihrer Tugendverdienste, sogleich das Tor der Lehre geöffnet und sie eingelassen. Diese waren die ersten, welche den Ton der Pauke der Religionslehre hörte, sobald sie geschlagen wurde; auch waren sie die ersten, welche durch den Nektar der Religionslehre zufriedengestellt wurden.“ Nachdem Kungawo hierüber nachgedacht, stand er auf und begab sich dahin, wo der Buddha sich befand; daselbst angelangt, gab er dem Siegreich-Vollendeten Bescheid von dem Gegenstand seiner Gedanken, worauf der Siegreich-Vollendete folgendes sprach:
„Die fünf Gelonge, Gaudinja und seine Gefährten, habe ich bereits in früher, vergangener Zeit mit meinem Fleisch und Blut genährt, ihren Hunger und Durst gestillt und sie zufriedengestellt; daher ist nun, nachdem ich offenbarlich vollendeter Buddha geworden bin, für sie keine Nichtursache oder Folge vorhanden, nicht auch zuerst in die völlige Erlösung eingeführt zu werden.“ Hierauf bat Ts’edangdanpa Kungawo den Siegreich-Vollendeten folgendes: „Geruhe mir zu zeigen, im welcher Weise du in früher, vergangener Zeit ihren Hunger und Durst gestillt und sie beglückt hast, damit diese deine große Umgebung es höre und beherzige!“

Padampa Sangye

Einer der Begründer des Chöd-Rituals, der im 1117 starb

Der Siegreich-Vollendete sprach:
In früher, längst vergangener Zeit, im Jenseits von zahllosen Kalpas, regierte auf Dschambudvip ein König, namens Dschampai-tob (Macht der Wohltätigkeit), über die vierundachtzigtausend Vasallenfürsten des Dschambudvip. Dieser König hatte zwanzigtausend Gemahlinnen und zehntausend hohe Beamte; er war der wohlwollendsten und barmherzigsten Gemütsart, übte die Vier Verdienste aus, und durch seine Güte gegen alle Wesen begründete er die Gesetzherrschaft der Zehn Tugenden, so daß er von allen verehrt wurde. Es gab im Land keinen Feind mehr, und gesegnete Jahre erzeugten Überfluß. Dies gefiel den Seuchen bewirkenden, teuflischen Ungeheuern und den das Blut und die gesunde Farbe der Menschen Raubenden und Verzehrenden nicht, weil sie, da alle Landesbewohner damaliger Zeit ihren Körper, ihre Worte und ihre Gedanken hüteten und in den zehn Tugenden verharrten, keine Nahrung fanden und ihnen bei dieser allgemeinen Umkehrung keine Macht blieb. Da erschienen die fünf Übelspender (Yaksha) vor dem König und sprachen: „Während wir der gesunden Farbe und dem Blut der Menschen nachgehen und damit unseren Körper und unser Leben erhalten, hat der König es durch seine gesetzlichen Verordnungen dahin gebracht, daß alle in den zehn Tugenden verharren und wir keine Speise und keinen Trank finden können, so daß es uns auf äußerste Erschöpften bereits ans Leben geht. Hat denn der König für uns gar kein Mitleidsgefühl?“ Der König, von innigstem Mitleid bewegt, ließ hierauf an seinen fünf Gliedmaßen die Adern öffnen, jedem der fünf Übelspender ein Gefäß reichen und sie von seinem Blut bis zur Sättigung trinken. Nachdem sie des Blutes genossen hatten, waren sie äußerst vergnügt und fröhlich, und durch den Blutgenuß zufriedengestellt, ermahnten sie den König, nach allen Kräften die zehn Tugenden zu üben. „Hierauf erwiderte ihnen der König: „Ich habe nun zu eurer Befriedigung und Beruhigung diesem meinem Körper das Blut entzogen; möchte ich doch späterhin, wenn ich offenbarlich vollendeter Buddha geworden bin, eure drei Giftübel durch die Pflichtgebote des Körpers, der Lehre, durch die Meditation und durch die höchste Erkenntnis entfernen und euch aus den Qualen der Begierden völlig in die Seligkeit des Austritts aus dem Jammer versetzen!“
Kungawo, der König Dschampai-tob der damaligen Zeitperiode, derselbe bin ich nun; die fünf Übelspender sind nun die fünf Gelonge, Gaudinja und seine Gefährten. Von woher und wohin ich auch geboren werden mochte, habe ich immer den Segenswunsch ausgesprochen, sie zuerst zu erlösen. Daher sind sie auch, sobald ich anfing, die Lehre zu verkündigen, sogleich der vollständigen Erlösung teilhaftig geworden.
Die ganze große Umgebung freute sich gläubig der Lehren Buddhas und pries sie offenbarlich.

(Aus: Der Weise und der Tor,
Buddhistische Legenden aus Tibet,
Hg. Roland Beer, Gustav Kiepenheuer Verlag
Leipzig und Weimar, 1978)