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Homsarecs!

Homsarecs! Teil 2 Die Luxus-Ausgabe Galerie Spoiler-Alarm!
Schauplätze
Ursprünge: Nach der Flower Power Political Correctness BDSM oder Fantasy? Symbole Mehr Symbole Warum Kannibalen? Ursprung des NuRiCA Alte Schreibung? Begriffe

Warum Kannibalen?

Der Menschenfresser Erforschung

Der Vorwurf des Kannibalismus hat in der Geschichte des Kolonialismus viele Male dazu gedient, den Opfern, den eroberten Völkern die Schuld für ihre Ausrottung zu geben. Immer hat diese Mär dazu gedient, einen Sündenbock zu schaffen, die Maßnahmen der Eroberer zu rechtfertigen, wie auch schon vor dem Zug der Europäer in die Neue Welt Schauermärchen erfunden wurden, um Übergriffe gegen Minderheiten zu beschönigen. Ungezählte Male war die Behauptung pure Erfindung, um zu verdecken, wie man Völker ausraubte, versklavte und niedermetzelte.
Was nun hat diese Geschichte damit zu tun?
Weder war es die Lust am Gruseligen noch die Spekulation auf Schau-Effekte, was mich bewogen hat, dieses Motiv einzubauen. Vielmehr ist es die Dämonisierung, die andere mit dem Thema betreiben, die mich zum Widerspruch reizt. Kannibalismus ist präsenter in der Menschheitsgeschichte, als man glauben möchte. Not, Ritual oder Lust -- es hat immer wieder Motive zu diesem Akt gegeben, den wir im allgemeinen verabscheuen. Dabei stehen uns Fälle zeitlich und räumlich näher als uns recht sein mag. In unseren Breiten fanden Archäologen Beweise, daß frühere Bewohner unserer Landstriche solche Mahlzeiten hielten; ein historischer Fall, der in den USA kürzlich aufgearbeitet wurde, weist Kannibalismus aus Not bei frühen weißen Siedlern nach.
Anfangs war es ein Symbol für das Überschreiten von Tabus, was mich bewog, es von Anfang an zu einem Teil der Erzählung zu machen. Ich will den Leser in einem Zwiespalt halten, der ihn daran hindert, sich mit den Homsarecs zu identifizieren. Sie sind eine märchenhafte Übersteigerung des Biestes im Menschen. Sie sind keine Dämonen, sondern sie enthalten das ganze Spektrum zwischen Großartigkeit und Grauen, das unsere Spezies kennzeichnet.

Und darum trägt der dritte Teil der Trilogie den Titel "Der Menschenfresser Besserung". Hier wird erklärt, warum sie 'heiliges' Fleisch aßen und was es mit ihrem frühen Tod zu tun hat. Sie begreifen einen Zusammenhang, den sie nicht wahrhaben wollten, aber sie müssen auch mit den Folgen zurechtkommen, die es hat, diesen Brauch aufzugeben.
Der Kannibalismus ist ein Symbol für das Überschreiten moralischer Grenzen. Und diese werden sowohl hinterfragt als auch begründet. Und es ist eine Maßnahme, um ein Leitmotiv zu installieren: Das Gute des Bösen. Ich wollte keine strahlenden Helden hier und Bösewichte dort; die Homsarecs sind für den normalen Bürger ein Schrecken, man holt die Kinder herein, wenn sie in der Nähe sind. Die Homsarecs werden zu Identifikationsgestalten, aber sie sind es mit großen Charakterfehlern. Sie werden sich sehr verändern müssen, damit sie in den Stand der Gnade kommen können.

Ich wollte, daß die Leser sich in diese bösen Buben verlieben, um darüber spekulieren zu können, wie man meine Helden denn von ihrem falschen Tun wegbringen kann. Und damit ist der große Schritt getan, mit dem ich die Freund-Feind-Literatur bekämpfe, in der Ströme von Blut das Böse wegwaschen sollen -- aber wie könnten sie das? Wie kann das Kämpfen und Töten jemals das Böse besiegen, da doch genau das der Sieg des Bösen ist?
Dennoch gibt es Kämpfe in diesem Roman, und sie sind ein Durchgreifen und ein Handeln aus Entschlossenheit. Vielleicht kann man manchmal nicht umhin, entschlossen zu handeln. Vielleicht ist es nicht gerade Gewalt, die von uns gefordert ist, aber eine klare Entscheidung.