Ausgabe vom

12/11/2009

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Mein Blog ist gelöscht. Leider lohnte sich die Mühe nicht. Niemand außer einem sehr geschätzten Freund hat mir je einen Kommentar hinterlassen. Vielleicht liegt es daran, daß sich die Blogsoftware in diesem Punkt mißverständlich ausdrückt. "Kein Kommentar" konnte auch verstanden werden, daß keine Kommentare gewünscht seien. Ich habe versucht, darauf hinzuweisen, aber dennoch hat leider niemand eine Rückmeldung hinterlassen.

Einstweilen parke ich die Inhalte meines Online-Tagebuchs hier.

Mini-OWK in Hamburger Keller

29. März 2009

Es war eine rauschende Ballnacht.

13 Paare waren erschienen. Symbolischerweise zu der Stunde, da die Lichter ausgingen, wenn auch aus einem anderen Grund, das hatte mit einem Bekenntnis zum Klimaschutz zu tun.

Die Party beginnt damit, daß alle Damen sich und ihren Sub der Gesellschaft vorstellen. Mein Sub mußte ein Schandhemd tragen — so nennt er es –, auf dem steht: “Lilith of Dandelion ihr Eigentum”, dazu “NICHT FÜTTERN — NICHT STREICHELN”. Und hinten: “Aber hurtig!” und sein Nick aus der Zentrale. Die Räumlichkeiten: Ein von Schwulen liebevoll eingerichteter Spielkeller, meiner Ansicht nach die beste Spiel-Location in Hamburg. Das Besondere an dieser Party: Strict FemDom (Nicht “strictly”, das ist ein Adverb. “Strictly dresscode” ist also falsches Englisch)! Keine dominanten Männer. Eine andere Atmosphäre als auf gemischten Parties (von MaleDom-Parties kann ich nichts sagen).

Viele devote Männer würden sich wünschen, auf diese Party mitgenommen zu werden. Das könnten sie haben. Viele Ladies würden gerne einen Sklaven finden. Wenn einer nur nicht weiß, wie er es anfangen soll — dem kann geholfen werden. Aber es gibt auch eine riesige Anzahl von Männern, die eigentlich doch die männliche Dominanz durch den Dienstboteneingang wieder einführen, also eben doch auf sanfte Art durchsetzen wollen. Diese kommen bei den Damen verständlicherweise nicht durch. Die Damen haben meistens die Nase voll von der Mischung von Gedankenlosigkeit und Arroganz, mit der die meisten Anschreiben verfaßt werden. Ladies hassen Flüchtigkeitsfehler. Sie hassen schwanzgesteuerte Zielgerichtetheit. Sie hassen Massenpost, die an alle geht und manchmal zweimal an eine Dame. Das ist absolut Panne! Ein wirklicher Sklave kann nur eine Herrin haben. Darum soll er sich auch bei der Bewerbung auf eine zur Zeit konzentrieren. Das kommt rüber. Und erst recht sollte er sich auf eine zentrieren, wenn er eine gefunden hat. Sie ist der Maßstab seines Tuns und Lassens.

Es hat Gründe, wenn einer mit auf eine solche Party genommen wird. Er macht irgend etwas richtig. Solche Sklaven sind nicht durch Schönheit erfolgreich, nicht durch Geld, nicht durch Hartnäckigkeit im Baggern. Sondern weil sie wahre Subs sind, weil ihre Demut echt ist, weil sie zuverlässig sind, authentisch, gehorsam und diszipliniert. Wohlgemerkt: Ich spreche nur von erlernbaren Verhaltensweisen, die auf einer Einsicht, einer Einstellung beruhen, nämlich auf der Bereitschaft, die Vorherrschaft der Frau wenigstens in der Spielsituation anzunehmen und ihr in der übrigen Zeit den Respekt zu zollen, der einem Mitmenschen grundsätzlich gebührt. Kurz: Ein devoter Mann ist erfolgreich, wenn er das berücksichtigt, was ihm auch in der Nicht-SM-Welt die Sympathie seiner Mitmenschen einbringen würde.

Das setze ich der Rumheulerei entgegen — “buhu, es gibt ja soooo viele Sklaven und sooo wenige Herrinnen…”

Falsch. Es gibt kaum echte Sklaven, die den Namen verdienen. Die einer Herrin wirklich dienen können, so daß SIE etwas davon hat. Notfalls hat er auch mal nur die Mühe damit! Aber das wird belohnt.

Was ich noch erfuhr auf dieser Party: Das OWK wird im Sommer endgültig geschlossen, die Königin hat es befohlen. Sehr bedauerlich.

Wir warten auf die Mistress Night

26. März 2009

Zweimal im Jahr wird unser Lieblings-Event gefeiert, die Mistressnight.

Sie ist eine reine Paar-Party für Gäste, die der Gastgeberin persönlich bekannt sind oder für die eine der geladenen Damen bürgt. Es ist ein relativ kleiner Kreis, in dem wir versuchen, im uns möglichen Party-Rahmen das herzustellen, was wir aus dem OWK kennen: eine FemDom-Atmosphäre, in der Männer ausschließlich als unterworfene und demütige Geschöpfe vorkommen — selbst das Wort “auftreten” wäre zu viel. Wie ich schon ausführte: Das OWK ist einer der wenigen Orte, wo man ein friedliches Zusammenleben von kommerziellen Dominas und privaten dominanten Damen beobachten kann. Der schlechte Ruf, den das OWK leider genießt, kommt von der Tatsache, daß Männer dort eben nicht ein 24/7-Studio vorfinden, wo sie pausenlos bespielt werden, sondern ein feudales Gelände, auf dem sie über lange Strecken tun müssen, was sie auch an einem echten Königshof des 17. Jahrhunderts hätten tun müssen: Putzen, Unkraut jäten, Steine schleppen, im Stall schlafen und aus dem Napf essen. Allerdings haben sie dafür einen Tausender für die Woche hingelegt, rund gerechnet. Dafür haben viele erwartet, daß sie pausenlos bespielt werden würden; so sah es aber nicht aus, sondern sie kamen mit Glück in dieser Woche vielleicht auf 1-2 Stunden, wenn man das morgendliche Training dazurechnet. So kam es dann wohl, daß viele unzufrieden waren und kein gutes Haar an diesem Gut in Tschechien lassen mochten. Wir waren als Paar da, trafen dort viele Menschen aus aller Welt, die genau wie wir privat BDSM betreiben. Es sind die gleichen normal aussehenden Leute aller Altersstufen, die man auch in der UnschlagBar treffen könnte. Wir haben dort Urlaub gemacht und ungestörtes Oben-Unten genossen. Und diesem Modell nachgebaut ist die Mistressnight.

Die Subs, die mit uns auf diese Party gehen dürfen, trifft ein besseres Los. Sie werden sicher nicht zu kurz kommen, und sie dürfen sich glücklich schätzen, auf einer Party zu sein, auf der weibliche Dominanz als der Normalfall für die Dauer der Zusammenkunft gefeiert wird. Anders als in den Chatrooms im Internet mischen sich hier nicht Devotsein und Frechheit. Hier wird das Machtgefälle nicht in Zweifel gezogen, sondern von beiden Seiten genossen. Störenfriede, die nur eine Mode auf eine SM-Party verschlägt und die innerlich mit dem Machtgefälle doch nicht zurechtkommen, finden hier keinen Einlaß. Pseudodemokraten, die von “Augenhöhe” faseln, als hätten sie sie erfunden, muß ich zum Glück auf dieser Party nicht ertragen. Augenhöhe haben wir im Alltag. Und das ist gut so.

Wo geht man sich amüsieren?
OWK oder USB?

22. Februar 2009

Wir sind arge Sofakartoffeln geworden.

Nicht, daß wir nicht auch zu Fuß unterwegs sind. Tagsüber: Keine Frage. Und erst im Urlaub! Den Hradschin in Prag, den Universitätsberg in Coimbra (Portugal) und die Altstadt in Arcos de la Frontera (Spanien) haben wir bei 30° im Schatten zu Fuß erklommen. Doch in der Nacht aufzubrechen hat für mich immer was von Flucht und Vertreibung. Lilith bekennt, daß sie für das Nachtleben einfach nicht konstruiert ist. Bei Dunkelheit werde ich müde. Bei einer Stimmenkulisse schlägt meine Schwerhörigkeit zu, ich kann den Gesprächen nicht mehr folgen und gehe in die innere Emigration, wobei ich mir allerdings die Menschen in meiner Umgebung wohlgefällig anschaue.

Unschlagbar heißt das Ziel unserer nächtlichen Wanderungen, wenn wir denn ausgehen. Das warme Weinrot des Raumes erinnert an die Ursprünge des Lokals in der Clemens-Schulz-Straße. Manchmal gibt es hier Kino, manchmal haben wir Zeit, uns das anzusehen und Freunde zu treffen. Ein intimer kleiner Spielraum im Keller erlaubt mehr als nur Plaudereien.

Für große Events bietet sich seit einiger Zeit das Catonium an. BDSM goes public. Ein solcher Ort, solche Veranstaltungen wären noch vor 10 oder 12 Jahren kaum vorstellbar gewesen. Zwiespältig sehen wir, daß solche Räume, solche Spielmöglichkeiten auf dem großen Publikum basieren, das inzwischen den Weg in die Szene gefunden hat. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist, daß sich die Intimität der früheren Zeiten dort nicht herstellen läßt. Es ist ein Ort zum Sehen und Gesehenwerden. Dort zu spielen ist, als versuchte man es auf der Verkehrsinsel in der Nähe des Hauptbahnhofs. Umspült von Besucherströmen, versucht man, ein klein wenig Verschmelzung mit dem Partner zu erzwingen. Mir gelingt es dort nicht.

Aber dann gibt es doch den Club de Sade. Schummerlicht. Ich versuche es mit einem dieser lederbespannten Sitzmöbel. Plums, ich sinke unrettbar in einen dieser Aufbewahrungsbeutel zwischen Holzpfählen. Sich daraus wieder zu retten erfordert Muckis. Und was ist mit dem Sitzplatz unten im Spielkeller? Wumm, man sitzt beinhart. Man wird dort äußerst freundlich umsorgt, keine Frage. Dritte Sitzgelegenheit: Barhocker, auf denen ich, selbst wenn sie eine Querleiste aufweisen, einen Hüftkrampf bekomme. Spielgelegenheit? Gewiß. Aber zu viele stehen so dicht beieinander, daß jeder Gang zu den Getränken oder der Stelle, wo meine Utensilien liegen, zu einem spannenden Kletterakt wird. Meine Empfehlung: Platz schaffen und vernünftige Sitzgelegenheiten aufstellen.

Wir ziehen aus diesen Gegebenheiten die Konsequenz, überwiegend zu Hause zu spielen, wenn auch da die Möglichkeiten eingegrenzt sind. Zu unserem Glück ist das Haus nicht hellhörig, da recht neu; Nachteil in dieser Situation sind allerdings die etagenhohen Fenster, die sorgfältig verhängt werden müssen. Von einer Party abgesehen, die zweimal im Jahr stattfindet und die der Gastgeberin persönlich bekannte Paare zusammenbringt, abgesehen, spielen wir fast nur noch in der eigenen Wohnung.

Diese Party findet in der unserer Meinung nach besten Spiel-Location statt, die Hamburg uns bietet, nämlich in den Räumen am Kleinen Pulverteich. Dieser Keller ist mit viel Geld und Liebe ausgestattet worden — und vor allem mit einer Menge Sachverstand. Unsere Lieblingsparty ist eine reine Femdom-Veranstaltung, und das ist einer der Gründe, warum wir sie niemals auslassen. Denn die Atmosphäre ist grundlegend verschieden von gemischten und wahrscheinlich auch von Maledom-Parties (kann ich nicht beurteilen). Wir bekennen uns ganz einseitig zu Femdom.

An dieser Stelle muß ich ein wenig die Erinnerung an das OWK verklären.

Hätte es nicht so einen unverdienten, aber schlechten Ruf, es wäre in aller Munde. Die Location in Tschechien war in 3 Sommern unser Femdom-Paradies, das wir je eine Woche lang genossen haben. Wenn es gelänge, irgendwo in Europa dergleichen auf die Beine zu stellen, wäre es ein Traum für Unseresgleichen. Historische Räume, eine Rennstrecke, kaum einsehbar, mit allen Schikanen (im Wortsinn) ausgestattet, mit einem wunderbaren Peitschenshop versehen, einem Gartenteich samt Pavillon, einem echten Kerker aus dem Jahr 1600, einem riesigen Club, Spezialräumen, einem nicht immer funktionierenden Schwimmbad, Grillplatz, Außenpranger, Außenkäfigen, Fuhrpark für Kutschen… Das OWK begann als ein Kind der Wende, es entstand, als die osteuropäischen Demokratien erst im Werden waren und die Immobilienpreise auch. Das feudale Anwesen war heruntergewirtschaftet, aber eine Handvoll Idealisten haben der Königin und — wie ich nicht bezweifle — ihrem gut verborgenen Geldgeber geholfen, eine gewaltige Bau- und Renovierungsleistung zu erbringen.

Gerade habe ich den Film “Brokeback Mountain” gesehen. Ein stärkeres Plädoyer dafür, sein Leben nicht aus falschen Rücksichten zu vergeuden, sondern seine Leidenschaft zu leben, solange die Chance da ist, gab es selten. Aber bevor mich jetzt die Wehmut packt, geselle ich mich meinem schlafenden Partner zu, der ab morgen wieder in Hamburg arbeitet und jeden Abend wieder zu mir nach Hause kommt. Und ich sage euch: Ich genieße jede Minute.

Mein Dasein als Strohherrin

16. Februar 2009

Nun ist er abgereist. Mein Sub muß unser Brot auswärts verdienen.

Wie ist das so ohne den Sklaven? “Ohne den Diener ist ein Herr kein Herr”, sagte J.J. Rousseau (so etwa), “und er ist unfreier als jener, da er sich nicht einmal selbst seine Stiefel anziehen kann.”

Allerdings ist mein Diener im Alltag eh nicht mein Diener. Mein Sub ist mein Sub, wenn wir spielen; in der übrigen Zeit leben wir eine Partnerschaft. Vielleicht eine etwas madamelastige Partnerschaft. Er ist der Hauptverdiener. Ich trage dazu weniger bei, das ist Fakt. Auch von einem kleinen Bestseller kann man nicht leben. Sagt man nicht, daß der das Sagen hat, der das Geld nach Hause bringt? Dieser Versuchung erliegt er nicht. Er ist zu klug, um das Rollengefälle, das er im Spiel genießt, durch unbedachtes Regieren im Alltag zu untergraben.

Macht ist immer geliehen.

Darum wirkt die Rollenverteilung unseres Spiels in den Alltag hinein. Ich habe einen verhandlungsbereiteren Partner, als ich mir den Durchschnittsmann vorstelle, selbst in seiner Generation. Machotum liegt ihm fern; das hätte ein Zusammenleben auch schon gleich unmöglich gemacht.

Das böse Wort vom Pantoffelhelden macht es auch heute noch einem devoten Mann schwer, seine im Spiel so geliebte Rolle in den Alltag hineinzutragen. Wenn mehr Männer das fertigbrächten, gäbe es auch kaum die lauten Klagelieder über die Schwierigkeiten, eine Herrin zu finden.

Das Ideal des stolzen Sklaven oder der stolzen Sklavin: Es ist lebbar. Selbst, wenn man weiß, daß das kein 24/7 ist! Es ist im Alltag lebbar, und man kann es schaffen, es nicht zu verlieren. Den Härtetest im Alltag erleben wir gerade. Die vergangenen Wochen waren stressig, und er hat am Einsatzort nur gearbeitet und abends im Hotel auf dem Bett gelegen und ferngesehen. Fünf Stunden Autofahrt sind eine ordentliche Entfernung, da verbietet sich Pendeln. Dennoch haben wir am vorletzten Wochenende ein Spiel zustandebekommen. Der Ausstieg aus der schnöden Wirklichkeit ist notwendiger Jungbrunnen.

Wie macht man anderen Mut, ohne anzugeben? Wie vermeidet man, daß das den Lesern einen Stich gibt, was man schreibt, ohne aber auf die Botschaft zu verzichten, daß Glück möglich ist?

Am 3. März feiern wir die 12. Wiederkehr unseres Kennenlernens. Unser erstes Gespräch war schon der Vorbote dessen, was möglich war und wurde.

Nun also sitze ich da und muß mich selber bedienen. Niemand bringt mir Frühstück. Und dennoch ist es auch ganz gut, sich darauf zu besinnen, wie das ist. So, wie es früher war. Vor ihm. So geht der Genuß am Bedientwerden doch nicht verloren. Er ist mein, auch wenn er fern ist. Und das ist schön.

Liest du mir was vor?

Dieser Bitte konnte ich mich nicht entziehen.

Und wenn ich ehrlich sein soll, ich glaube, mir hat es noch am meisten Spaß gemacht. Das Vorlesen fand am 9.5.08 am Heidestammtisch um 21.00 Uhr statt. Vor einem freundlichen Publikum durfte ich einige meiner Novellen zum Besten geben. Ich begann mit "Man müsste..." aus Schlagzeilenheft Nr. 61. Dann fuhr ich mit Auszügen aus "Shivas Schützlinge" fort. Da Zuhören auch ein bißchen anstrengt, machten wir zwei kurze Pausen und endeten exakt um halb 11.

Ich danke den Veranstalterinnen Gerda und Ingrid sehr herzlich für diese Anregung und die Durchführung der Veranstaltung, danke Caro von den Schlazeilen, die freundlicherweise einige Exemplare meiner Bücher aus dem Verlag mitbrachte, und Robin, der uns ganz allerliebst versorgte und den Verkauf der Bücher organisierte. Mehr Zuhörer, als ich vorher selbst optimistisch vermuten konnte, zogen dann auch mit einem signierten Exemplar von Buch oder Bösen Geschichten gen Heimat.