Devot/masochistische Frauen haben es heute nicht leicht
Die "Bräuteschule" hat es bewiesen:
Junge Frauen von heute entsprechen dann der gesellschaftlichen Norm, wenn sie sich nicht unterwerfen. Sie hinterfragen Zwänge und lassen sich nichts vormachen. Das stand ihnen bei einem Rollenspiel, in dem es um das Hineinversetzen in die Mittfünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts ging, stark im Wege. Viele passen sich noch nicht einmal zum Spaß und für einen begrenzten Zeitraum an die Forderungen an. Sehr viel leichter schien das den Damen zu fallen, die in diesem Spiel das Sagen hatten. Die Lehrerinnen und die Direktorin paßten nahtlos in ihre Rollen und spielten sie mit mehr Spaß an der Sache als die Fräuleins, die als junge Heiratskandidatinnen von früh Morgens an zu dienen hatten.
Haushalt, Putzen, Kochen, Nähen, Benimm: Das stand auf dem Stundenplan. Listigerweise hat das Castingbüro des Senders natürlich nicht devote Mädchen ausgewählt, sondern diejenigen, die ordentlich Konflikte produzieren sollten.
Masochistisch mußten sie aber schon sein, denn ohne die heutigen Haushaltshilfen zu arbeiten, früh aufzustehen, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein und am Abend auch noch auf Fernsehen, Internet, Handy und MP3-Player zu verzichten -- das forderte einigen schon sehr viel ab. Fast kam es zum Abbruch des Spiels für eines der Mädchen. Doch lenkte sie ein und kehrte zurück.
Schon das freiwillige Auf-Sich-Nehmen dieser doch konstruierten Situation forderte einigen zuviel ab.
Das zeigt, wie sehr man in Rollenspielen auch aus sich selber heraustreten kann und wieviel Mut es erfordert. Außer sich sein, neben sich oder über sich selbst hinauswachsen: Das ist die Erfahrung, die diese jungen Damen, die Autoritäten in diesem Spiel und alle anderen Beteiligten mitnahmen.
Fazit:
Der Weg in die Emanzipation der Frauen ging aus von Zuständen, die quasi das Rollenverhältnis aus der Kaiserzeit zu rekonstruieren versuchten: Nach der fatalen "Fortschrittlichkeit", die die "Bewegung" für sich in Anspruch nahm, nach dem Scheitern dieser, kam die Sehnsucht nach einer stabilen Ordnung. Zugleich fehlte es natürlich nicht an Nostalgie, die 50 Jahre zurückgriff.
Der Schritt in eine Gleichberechtigung, wie wir sie heute kennen, war groß und mutig. Raus aus der Verdrängung, aus der Lüge von der heilen Familie, hinein in eine Selbstbestimmung, wie man sie nie gekannt hatte. Man merkte den Feministinnen an, mit welchen Widerständen sie zu kämpfen hatten.
Wenn es heute Zehntausende von Frauen gibt, die sich zur Unterwerfung unter einen Mann bekennen, so muß das den Feministinnen als Verrat erscheinen. Aber keine Sorge: Diese Sklavinnen sind politisch längst befreit.