Ausgabe vom

5/17/2009

erscheint unregelmäßig nach Lust und Laune
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Pain Play

Abheben kann jeder

Es war mir daher ebenso ein Herzensbedürfnis wie auch die Erfüllung alter Wünsche, die nicht unbedingt nur sexuell motiviert waren.

Mir schien, daß ich etwas Uraltes ausführte, das mit Respekt zu tun hat. Die Erfahrung mit den Gewalten der Triebenergie lehrten mich, daß es gut so ist. Denn vor dem, was ich auslöse, stehe ich manchmal mit dem Empfindungen, mit denen man Erscheinungen der Natur anschaut, ob es nun Stürme sind oder eine weite Berglandschaft, wenn die Wolken sich öffnen und die Sonne durchbricht: Es ist gewaltig und schön, überwältigend, anrührend. Ich habe von daher noch mehr Respekt entwickelt als am Anfang, weiß, daß ich Gesetzmäßigkeiten beachten muß, daß wir beide, er und ich, nicht mehr dem kleinen Menschenwillen gehorchen, sondern auf etwas dahingleiten, das viel stärker ist und seinen eigenen Gesetzen gehorcht.

Dabei glaube ich nicht, daß die Fähigkeit, aus Schmerz Endorphin zu brennen, gar so selten ist. Wir Schwarzbrenner sind nicht allein auf der Welt.

Es gibt ja auch Leistungssportler, die die euphorisierende Wirkung von Anstrengung nah oder jenseits der Schmerzgrenze kennen, es gibt Trancetechniken verschiedenster Art. Es ist manchmal fast komisch, wie verpönt unsere Methode ist. Auch für die indischen Sadhus ist es die eher schmutzige Methode, wenn sexuelle Empfindungen sich in die Verwandlung von Schmerz in Glückseligkeit mischen. Wie aber die Neugier der Menschen auf alles "Tantrische" (oder was sie dafür halten) beweist, sind die Zeiten vorbei, da man geistliche und sinnliche Erfahrungen für unvereinbar hielt.

Aber nicht alle tun's. Manche schauen geradezu befremdet drein, wenn mein Leibeigener seine Gefühle beim Spiel mit Schmerz schildert.

Ihnen käme wahrscheinlich nicht in den Sinn, Sadomasochismus mit dem Erfahren höherer Bewußtseinszustände in Zusammenhang zu bringen. Das Spiel mit dem Schlagen ist "geil", es ist "fun", mehr nicht.
Wem das schon alles ist, der mag sich ja gern dran freuen, aber es gibt auch eine anderer Herangehensweise. Wenn die Kollegen Witze reißen, verstummen sie doch, wenn der Chef dazukommt. Es gibt auch ernste Rituale ohne jede Witzigkeit, manche finden sogar, das muß so sein, wenn wirklich die Erhabenheit des Painplay den Raum betreten soll. Und so ging es mir auch bei meinen ersten Erfahrungen. Auch wenn ich eine Weile brauchte, um die masochistische Seelenlage zu verstehen, die mir -- auch als Aktiver -- jetzt eher zugänglich ist, so erwachte bei mir sehr schnell eine Ehrfurcht vor dem Setting, den Ausübenden, der Handlung. Schon ganz am Anfang empfand ich die Rituale als heilige Handlungen.